Vom kleinen Wohnhaus zur Pension Kreuzeck

 

Eine Familiengeschichte über Mut, Beständigkeit und das Weitertragen eines Lebenswerks.

est. 1977

Manche Häuser entstehen aus einem Plan. Andere wachsen aus einer Haltung.

Die Pension Kreuzeck gehört zweifellos zur zweiten Kategorie.

Was heute ein gewachsener Familienbetrieb ist, begann einst als schlichtes Einfamilienhaus. Den Grundstein legten Trude Hofer (geb. Lang) und Sepp Hofer, die mit Tatkraft und Weitblick den Mut hatten, ihr Zuhause für Gäste zu öffnen. Aus den ersten Zimmern entwickelte sich nach und nach ein kleines Gästehaus – getragen von ehrlicher Gastfreundschaft und einem tiefen Sinn für Verlässlichkeit.

 

Trude

eine prägende Kraft hinter dem Haus

 

Nach einigen Jahren trennten sich die Wege von Trude und Sepp. Für Trude bedeutete dies jedoch keineswegs das Ende des gemeinsamen Projekts. Im Gegenteil: Sie führte das Haus mit bemerkenswerter Entschlossenheit weiter.

 

Mit zwei Kindern an ihrer Seite – ihrer Tochter, Bettina, der heutigen Betreiberin, und ihrem Sohn, Johannes – baute sie das Kreuzeck Schritt für Schritt aus. Was einst als Wohnhaus begonnen hatte, entwickelte sich unter ihrer Führung zu einem Appartmenthaus, das in der Region für seine Herzlichkeit und Bodenständigkeit geschätzt wurde.

 

Trude verkörperte jene Generation, die nicht viel Aufhebens um ihre Leistung machte, sondern schlicht arbeitete – Tag für Tag, Jahr für Jahr. Ihr Wirken war leise, aber nachhaltig. Sie prägte das Haus nicht nur baulich, sondern vor allem in seiner Haltung.

 

Die zweite Generation –

Verantwortung und Kontinuität

Bettina blieb im Betrieb. Das Kreuzeck war nie nur Arbeitsplatz, sondern Lebensraum. Früh übernahm sie Verantwortung und führte gemeinsam mit ihrer Mutter das Haus weiter.

 

Johannes blieb ebenfalls der Gastlichkeit verbunden. Gemeinsam mit seiner Freundin – heute seiner Lebensgefährtin – bewirtschaftete er über Jahre hinweg saisonal zwei Hütten: eine im Sommer, eine im Winter. Diese Zeit war geprägt von intensiver Arbeit, engem Gästekontakt und dem unmittelbaren Leben im Rhythmus der Berge.

Heute betreiben die zwei in Stanzach ein eigenes Chalet sowie ein Apartmenthaus – ein weiterer Ausdruck der familiären Verwurzelung in der Gastfreundschaft.

 

Die zweite Generation sicherte dem Kreuzeck Stabilität und Kontinuität. Mit Umsicht und Pflichtbewusstsein wurde das Haus weiterentwickelt und schließlich als Pension Kreuzeck etabliert.

 

Die dritte

Generation – 

Bewahren und weiterführen

Bettina gründete mit ihrem Ehemann Thomas eine eigene Familie. Zwei Kinder wurden geboren: Elias und Victoria.

 

Die beiden wuchsen im Kreuzeck auf – behütet, umsorgt und eingebettet in den Alltag eines Familienbetriebes. Zwischen Gästezimmern, Küche, Garten und Bergen erfuhren sie früh, was Zusammenhalt bedeutet. Sie erlebten ein Haus, das von Arbeit, aber auch von Wärme und Verlässlichkeit geprägt war.

Weiterdenken, weiterbilden, weiterführen

Für ihre Ausbildung zog es beide nach Innsbruck. Victoria sammelte nach ihrem Abschluss zusätzlich Erfahrung während einer Wintersaison in Lech, bevor sie in den elterlichen Betrieb zurückkehrte und dort Verantwortung übernahm.

Elias hingegen entschied sich für einen anderen Weg. Er zog zu seinen Großeltern väterlicherseits nach Rieden, wo er sich sein eigenes Reich schuf. Dort tüftelte er an Maschinen, reparierte Geräte, entwickelte Ideen und lebte seine technische Begeisterung aus.

Neben zwei Studiengängen arbeitete er in Vollzeit – getragen von einem außergewöhnlichen Maß an Energie und Disziplin.

Sport war sein ständiger Begleiter. Ob Skifahren, Laufen, Radfahren, Skitourengehen oder Klettern – Stillstand kannte er nicht. Aus Leidenschaft wurde zunehmend Ambition. Elias etablierte sich in der Tiroler Trailrunningszene und konnte mehrere Rennen für sich entscheiden.

Im September 2022 gewann er gemeinsam mit seinem Teampartner Alexander Hutter den Transalpine Run – ein herausragender Erfolg, der seinen sportlichen Weg eindrucksvoll unterstrich.

Victoria entschied sich bereits in jungen Jahren bewusst dafür, den Betrieb eines Tages weiterzuführen. Dieser klare Entschluss gab nicht nur ihr selbst Orientierung, sondern auch ihrer Mutter Bettina Sicherheit und Motivation. Im Wissen darum, dass das Kreuzeck in die nächste Generation übergehen würde, hörte Bettina nie auf, in das Haus zu investieren, es weiterzuentwickeln und qualitativ zu verbessern. Stillstand kam für sie nicht in Frage – Fortschritt bedeutete Verantwortung.

 

Mit dem Eintritt der dritten Generation begann daher nicht nur eine Fortführung, sondern eine gezielte und bewusste Weiterentwicklung des Betriebes. Aus- und Weiterbildung, neue fachliche Impulse sowie der Blick über den Tellerrand ergänzen seither das gewachsene Fundament der vergangenen Jahrzehnte – ohne es zu verdrängen. Tradition wird dabei nicht als starres Konstrukt verstanden, sondern als lebendiger Wert, der durch Offenheit, Lernen und kontinuierliche Entwicklung getragen wird.

Entscheidungen

für die Zukunft

Für all das, was sie gegeben, geschaffen und geprägt haben, ist die ganze Familie heute von Herzen dankbar – dankbar für die gemeinsame Zeit, für ihre Liebe, ihre Stärke und dafür, dass sie da waren.

Wie jede Familiengeschichte kennt auch jene des Kreuzecks nicht nur Aufbau und Wachstum, sondern auch schmerzliche Einschnitte.

Nach Elias Sieg beim Transalpine Rund reiste er an seinem 28. Geburtstag nach Pakistan, um sich einen lang gehegten Traum zu erfüllen und mehrere anspruchsvolle Bergtouren zu unternehmen. Am 6. Oktober 2022 verunglückte er dort tragisch. Der Verlust von Elias hinterlässt eine unermessliche Lücke und traf die Familie in einer Tiefe, die Worte kaum erfassen können. Seine Energie, sein Tatendrang und sein Lachen fehlen – und bleiben zugleich Teil des Hauses, in Erinnerungen, Gesprächen und stillen Momenten.

Nicht ganz zwei Jahre später folgte ein weiterer schwerer Abschied:

Im Mai 2024 verstarb Trude nach einer kurzen, aber schweren Krankheit. Nach einem arbeitsreichen Leben, das untrennbar mit dem Kreuzeck verbunden war, hinterließ sie nicht nur ihre Familie, sondern auch ein gewachsenes Lebenswerk.

Die Geschichte geht weiter

Und während wir dankbar auf das blicken, was war, ist bereits die vierte Generation unterwegs. Mit Freude, Zuversicht und Vertrauen schauen wir auf alles, was kommt – und darauf, die Geschichte des Kreuzeck gemeinsam weiterzuschreiben.

Mit Bettina und Victoria sind nun die zwei Generationen aktiv im Betrieb tätig. Es werden neue Impulse eingebracht, ohne die Wurzeln des Hauses aus den Augen zu verlieren.

Das Kreuzeck ist dadurch ein Ort geblieben, der nicht inszeniert wirkt, sondern gewachsen ist. Die Zimmer sind individuell gestaltet, die Küche legt Wert auf regionale Produkte und hausgemachte Speisen, und die Lage inmitten der Natur unterstreicht den Charakter des Hauses als Rückzugsort.

Es ist ein Ort mit Seele gewachsen, an dem Vergangenheit und Gegenwart aneinander begegnen.